Arbeiten = Lernen = Bildung 4.0

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Kürzlich habe einen MOOC zur Arbeitswelt 4.0 bei moin.de abgeschlossen und mich intensiv mit den Veränderungen der Arbeitswelt durch die Digitalisierung auseinandergesetzt. Im Folgenden nun einige Gedanken und Eindrücke die ich im Rahmen des MOOC erhalten habe.

Arbeiten = Lernen?
Lernen = Bildung?
Bildung = Arbeiten?

Modernes Lernen und Arbeiten ?

Die moderne Arbeitsgesellschaft beginnt sich zunehmend von ihren Ideen, ihrer bisherigen (traditionellen) Produktionsweise und damit zugleich auch der klassischen Trennung von Bildung und Arbeit in der Industriegesellschaft zu trennen. Zunehmend wird es in jeder Tätigkeit notwendig sich neues Wissen anzueignen. Jeder Beruf beginnt sich zu einem Wissensberuf zu wandeln. Jeder Mitarbeiter bringt sein Wissen, seine Erfahrungen ins aktive Arbeitsleben ein und muss dieses jedoch alltäglich erweitern und sich neue Kompetenzen erwerben. Das Arbeiten wird vielmehr zu einem Lernort, einem Lernort an dem er sein Wissen stetig vertiefen und weiterentwickeln kann.
Arbeiten und Lernen sind nicht mehr voneinander zu treffen und werden zu einem gemeinsamen Prozess. Dieses wird auch für die Berufsausbildung dazu führen, dass sich die klassischen Berufsvorstellungen auflösen und klare Defintionen von Berufsgruppen und Berufsfeldern nur noch eingeschränkt möglich sein werden (mit Ausnahme bestimmter Zertifikate und Prüfungen, die ein festgelegtes Wissen in einem Bereich definieren und bestätigen).
Angesichts dieser Veränderungen wird insbesondere das heutige Bildungsystem und die Schule als Lernort in seiner bisherigen Form in Frage gestellt (so zum Beispiel von Gerald Hüther). Denn Schule ist bislang als ein Lernort definiert, der eine Vorstellung von Bildung prägt, die nicht mit Neugier, sondern mit Bestrafung (bei Nichtwissen) verbunden wird. Sie lehrt nur bestimmtes Wissen zu erlernen und prüft genau dieses Wissen ab. Gerade aber auch in einer Arbeitswelt, die von ständigen Neuheiten begleitet wird, muss es vielmehr gefördert werden Neues lernen zu wollen, sich weiter zu entwickeln und sich selbst voranzubringen.
Schulen müssen in diesem Kontext auch einen neuen Weg gehen, sie dürfen sich nicht mehr ausschließlich um die systematische Vermittlung von Wissen kümmern, sondern müssen in anderen die Neugierde an der Welt um Sie herum wecken und diese dadurch aktiv fördern an der Welt teilzunehmen. Sie müssen die Kompetenzen vermitteln, die Schüler erlaubt zu lernen, zu handeln und selbst atkiv zu werden.

Neue Bildung?

Bildung 4.0 muss daher in der modernen Arbeitgesellschaft nicht mehr als „Bildung im klassischen Sinne“ betrachtet werden, sondern braucht einen Bedeutungswandel. Lernen und Neugier müssen „sexy“ werden. Sich informieren und hinterfragen muss attraktiv werden.
Warum nicht auch einfach offline-Foren schaffen, in denen Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppierungen zusammenkommen und voneinander lernen und sich gegenseitig austauschen können? Warum Bildung im Elfenbeinturm der Universitäten lassen und nicht mit dem Alltagswissen austauschen. Wir brauchen ein gesellschaftliches Bildungsverständnis, dass Menschen neugierig auf die Welt um uns herum macht. Ein Bildungsverständis das Schüler und Menschen motiviert Neues Wissen zu erwerben, sich selbst Informationen zu beschaffen und dadurch Neues zu schaffen.
Bildung darf daher nicht nur eine Förderung für Eliten sein (und reiche Menschen), sondern jeder sollte Möglichkeiten und Zugang zu Bildung erhalten. Die Bildung muss demokratisiert werden und für jeden erschwinglich sein. Der Zugang hierzu kann gerade angesichts der digitalen Möglichkeiten auch online erfolgen. Dieser Zugang sollte dabei jedoch so gestaltet werden, dass jeder die Möglichkeiten erhält seinen eigenen Interessen zu folgen und nicht mehr eine Ausmerzung der Schwächung (wie es zum durch schlechte Noten vermittelt wird) verfolgen, sondern eine aktive Stärkung der Stärken, d. h. der individuellen Interessensgebiete.
Dieses führt aber in der Konsequenz zu individuellen Wissenskompetenzen, d. h. Menschen besitzen kein standardisiertes Wissen mehr und dadurch wird es zugleich für Arbeitgeber schwieriger einzuschätzen, wie diese einen Mitarbeiter in das Unternehmen einbinden und weiterbringen können. Die dadurch stattfindenden Individualisierung der Bildung führt letztlich dazu, dass sich Menschen frei und selbst entfalten können und sich auch in ihrer tägliche Arbeit einbringen können.
Zwar sind die Folgen dieser Ideen nicht gänzlich vorhersehbar, aber es fordert auch ein neues System zur Vermittlung von Arbeiternehmern und Arbeitergebern. Denkbar wären hier beispielsweise Online-Marktplätze, auf denen jeder seine individuellen (kreativen) Kompetenzen anbietet und dadurch zugleich genau zu demjenigen Arbeitgeber kommt, der diese Individualität benötigt.

Arbeit und Bildung als Selbstverwirklichung?

Arbeit erhält dadurch auch, so meine (Wunsch-)Vorstellung einen neuen Stellenwert. Denn sofern man Ausbildung und Bildung als Selbstentfaltung begreift, so schnell versteht man, dass man mit seinem täglichen Tun einen Einfluss auf die Gesellschaft hat und diese auch verändern kann.
Schaffen könnte man diesen Bewusstseinswandel in dem man beispielsweise für jeden Menschen eine Art Liberal-Arts-Phase bzw. einen Freiraum schafft, in derm sich ausprobieren kann und seinen eigenen Interessen folgen kann und sich und seine Tätigkeiten dadurch auch selbst entdecken kann (gibts ja schon teilweise).
Solch ein Bewusstseinswandel könnte auch dazu führen, dass eine neue Arbeitsmentalität geschaffen wird, die sich dadurch auszeichnet, dass nicht mehr so sehr Projekte realisiert werden, um damit Geld zu verdienen, sondern vielmehr das Projekte geschaffen und entwickelt werden um Probleme in der Welt zu lösen. Das gemeinsame Lösen eines Problems stünde im Vordergrund. Durch diesen Lösungsansatz steigert sich auch die Motivation Neues zu Lernen und Projekte voranzubringen.
In der Konsequenzen brauchen wir ein Bildungssystem, dass das Lernen an sich fördert. Es darf also nicht mehr darum gehen, bestimmtes Wissen zu wissen oder Nicht zu wissen, sondern vielmehr das Lernen als solches belohnt. Dabei kann dieses Lernen auch im Netzwerk, in lernen Organisationen oder in anderen Formen der Zusammenarbeit stattfinden. Im Vordergrund sollte dabei stets der Mut zum Ausprobieren gestärkt werden und weniger das Belohnen oder Bestrafen von Bildung. Das Bildungssystem muss neugierig auf die Welt machen und dadurch den Menschen fördern
Warum sollten wir ein Bildungssystem aufrecht erhalten, dass Individuen nicht ermöglicht, sich selbst zu entfalten, weiter zu entwickeln und dadurch die Welt ein Stück besser zu machen?
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Ein Gedanke zu “Arbeiten = Lernen = Bildung 4.0

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